Johann Nirschi

Feinmechaniker. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1912    † 1944

 

Lebenslauf

Johann Nirschi wurde am 30.7.1912 in Wien geboren. Er arbeitete als Feinmechaniker. 1930 schloß er sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreich an. Von 1932 bis 1938 war er in Holland und arbeitete dort bei der Firma Hazemayer in Hengelo. 1941 kehrte er nach Wien zurück und arbeitete bei der Firma Görz. Er wurde wegen des Vorwurfs entlassen, „verbotenen Umgang mit französischen Zivilarbeitern“ zu pflegen.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 9. 2. 1944 wurde Johann Nirschi verhaftet und am 29. 9. 1944 zum Tode verurteilt. Am 21.11.1944 erfolgte im Landesgericht I seine Hinrichtung.

Aus dem Urteil

„DerAngeklagte Johann Nirschi, ein alter Marxist, hat in einem Schreiben an ehemalige Arbeitskameraden in Holland vom 20. August 1943 schwer defätistische Äußerungen getan, insbesondere in hämischer Weise die Niederlage des Reiches in wenigen Monaten vorausgesagt und den Führer beschimpft. Er wird deshalb wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt.“

Im August 1943 schrieb Nirschi an einen ehemaligen Arbeitskollegen einen von der Auslandsbriefstelle abgefangenen Brief (Auszug)

„Ihr seid, trotzdem Ihr den geliebten Rundfunk entbehren müsst, nicht schlecht orientiert. Nun hat mittlerweile der Kampf auf ­Sizilien sein ruhmreiches Ende gefunden. Sieg auf allen Fronten und bis Du diesen Brief erhalten wirst, haben wir sicher schon wieder ­einen neuen elastischen Kriegsführungssieg zu verzeichnen. Daher ist man hier fest davon überzeugt, dass in längstens drei Monaten wir ausgesiegt haben. Übrigens besitzen unsere Feinde die Frechheit und verlegen ihre Terrorflüge schon bis in die Nähe von Wien.“

Gedenktafel

Sein Name steht auf der Gedenktafel in Wien 10 (Laaer Berg-Straße 166, Stg. 1).

Gedenkort - Straflandesgericht Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quelle

Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer", Sternverlag, 4. Auflage, Wien 2017 - Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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